Natürliche Kältemittel gewinnen in der Kälte- und Klimatechnik zunehmend an Bedeutung. Sie gelten als umweltfreundlich und effizient – doch ihr Einsatz ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn technische Sicherheit bedeutet nicht automatisch auch normative Zulässigkeit. Genau hier setzt die Risikoanalyse gemäss SN EN 378 an, die in der Praxis oft unterschätzt oder falsch interpretiert wird.
Die Normenreihe SN EN 378 definiert detailliert, wie Kälteanlagen und Wärmepumpen über ihren gesamten Lebenszyklus sicher geplant und betrieben werden. Im Zentrum stehen häufig die Tabellen zur maximal zulässigen Kältemittelfüllmenge. Diese werden jedoch in der Praxis oft als Optimierungswerkzeug missverstanden.
Tatsächlich legen die Tabellen keine optimale Füllmenge fest, sondern bestimmen, welche Risiken ohne zusätzliche Massnahmen akzeptiert werden. Während bei nicht oder schwach brennbaren Kältemitteln (z. B. A1, A2L) unter bestimmten Bedingungen alternative Lösungen möglich sind, setzt die Norm bei hoch brennbaren A3-Kältemitteln enge Grenzen. Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen wie Gasdetektion, Lüftung oder automatische Abschaltung erhöhen zwar die Sicherheit – sie erlauben aber keine Überschreitung der normativ festgelegten Maximalmengen.
«Nicht zulässig» bedeutet bei A3-Kältemitteln deshalb tatsächlich: Nicht verhandelbar.
Die Risikoanalyse gemäss Abschnitt 4.3 der SN EN 378-3 ist keine optionale Ergänzung, sondern ein zwingend vorgeschriebenes Element der Planung. Sie dient dazu, Gefährdungen systematisch zu identifizieren, zu bewerten und das Anlagenkonzept korrekt einzuordnen. Dabei beantwortet sie entscheidende Fragen wie:
Die Risikoanalyse reduziert die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadensereignisses – sie verschiebt jedoch nicht die normativ akzeptierten Schadensgrenzen. Aus diesem Grund kann sie nicht genutzt werden, um unzulässige Konstellationen nachträglich «reparieren» zu wollen. Entscheidend ist vielmehr die frühzeitige Wahl eines geeigneten Anlagenkonzepts.
Wer die normativen Vorgaben der SN EN 378 versteht und die Risikoanalyse konsequent als Planungswerkzeug einsetzt, schafft die Basis für sichere, regelkonforme und zukunftsfähige Kälteanlagen. Natürliche Kältemittel bleiben ein zentraler Bestandteil der nachhaltigen Kältetechnik – ihre normkonforme Anwendung jedoch erfordert ein präzises Verständnis der zugrunde liegenden Sicherheitslogik.
Erfahren Sie mehr über Natürliche Kältemittel und Risikoanalyse gemäss SN EN 378 in unserem aktuellen Fachartikel von Andreas Stenske im Magazin save.